{"id":432,"date":"2009-11-02T11:25:40","date_gmt":"2009-11-02T10:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/institut.moezart.de\/?p=432"},"modified":"2009-11-02T11:25:40","modified_gmt":"2009-11-02T10:25:40","slug":"unklare-bestellung-fallbeispiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/2009\/11\/02\/unklare-bestellung-fallbeispiel\/","title":{"rendered":"Unklare Bestellung &#8211; Fallbeispiel"},"content":{"rendered":"<p>Beispiel aus der Praxis<\/p>\n<p>Ein Sachverst\u00e4ndiger machte unterschiedliche Angaben \u00fcber          sein Bestallungsgebiet.<\/p>\n<p>Die Beweisbeschl\u00fcsse, die zu beantworten waren, betrafen \u00fcberwiegend          die Verfahrenstechnik von Kl\u00e4ranlagen.<\/p>\n<p>Es besteht der Verdacht, dass der Gerichtssachverst\u00e4ndige Beweisfragen          beantwortete bzw. zu beantworten versuchte, die sein Bestallungsgebiet          nicht betrafen.<\/p>\n<p><strong>Dazu folgende Argumentation der Kl\u00e4gerin          (Zitat)<\/strong><\/p>\n<p><em>Besondere Sachkunde des Sachverst\u00e4ndigen:<\/em><\/p>\n<p>Die Antragstellerin hat nach Vorlage des Gerichtsgutachtens Bedenken,          ob die Sachkunde des Gerichtssachverst\u00e4ndigen f\u00fcr die Beweisaufgaben          tats\u00e4chlich im vorgeschriebenen \u00fcberdurchschnittlichen Ma\u00dfe          nachgewiesen wurde.<\/p>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndige ist \u00f6.b.u.v. Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr          Sch\u00e4den an Geb\u00e4uden, so ist es dem Kopfbogen zu entnehmen.<\/p>\n<p>Irritation entsteht, wenn man sich den Stempelaufdruck des Sachverst\u00e4ndigen          auf Blatt x des Gutachtens anschaut. Danach ist der Sachverst\u00e4ndige          \u00f6ffentlich bestellt und vereidigt f\u00fcr Erdbau sowie Bodenmechanik,          nicht Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr Geb\u00e4udesch\u00e4den. Was stimmt          denn nun? Oder trifft gar beides zu?<\/p>\n<p>Bayerlein [1] (S. 23) f\u00fchrt aus:<\/p>\n<p><em><span>&#8222;Da der Sachverst\u00e4ndige          in aller Regel ein Spezialist auf einem bestimmten Ausschnitt eines beruflichen          T\u00e4tigkeitsfeldes ist, gen\u00fcgt zur Aus\u00fcbung der Sachverst\u00e4ndigent\u00e4tigkeit          nicht die allgemein von einem Angeh\u00f6rigen dieses Berufes erwartete          Sachkunde.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Erforderlich ist eine <strong><span>besondere<\/span> <\/strong>Sachkunde, die den Sachverst\u00e4ndigen als in hohem Ma\u00dfe geeignet          erscheinen l\u00e4\u00dft, Fachfragen auf dem jeweiligen Gebiet zu beantworten.<\/em><\/p>\n<p><em>Da der Sachverst\u00e4ndige in der          Lage sein mu\u00df, die Arbeiten und Leistungen anderer Fachleute zu          beurteilen und sich mit den Gegenargumenten auseinanderzusetzen hat, mu\u00df          er \u00fcber <strong><span>\u00fcberdurchschnittliche          Fachkenntnisse<\/span><\/strong> verf\u00fcgen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sein Fachwissen mu\u00df herausragen.          Er darf seinem Gutachten nur solche Lehrmeinungen und Untersuchungsmethoden          zugrundelegen, die in den ma\u00dfgebenden Fachkreisen allgemein und          zweifelsfrei als richtig und zuverl\u00e4ssig anerkannt sind (vgl. Jessnitzer\/Frieling,          RdNr.295).<\/em><\/p>\n<p><em>Bei Abweichungen von einer von mehren          in seiner Wissenschaft vertretenen Auffassung, die zu einem anderen Ergebnis          f\u00fchren w\u00fcrde, mu\u00df er dies deutlich werden lassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es versteht sich von selbst, da\u00df          der Sachverst\u00e4ndige nur dann Spezialist sein kann, wenn er eine <strong><span>fachspezifische          Ausbildung und ausreichende praktische Erfahrungen<\/span><\/strong> hat&#8230;.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Es ist auf Grund des Erkenntnisfortschrittes zu heutiger Zeit zunehmend          unm\u00f6glich nicht nur ein Sachgebiet geschweige denn mehrere Sachgebiete          gleichzeitig allumfassend zu beherrschen.<\/p>\n<p>Der Trend zur Spezialisierung und Splittung ist bei den Sachverst\u00e4ndigen          die Reaktion auf den gro\u00dfen Erkenntnisfortschritt.<br \/>\nEs ist unverst\u00e4ndlich, dass der Gerichtssachverst\u00e4ndige nicht          nur vom Fachgebiet &#8222;Sch\u00e4den an Geb\u00e4uden&#8220; und vom Fachgebiet          &#8222;1 und 2 &#8222;, sondern au\u00dferdem vom Fachgebiet &#8222;Abwasserreinigung&#8220;          \u00fcberdurchschnittliche Fachkenntnisse haben soll, in dem Umfang, wie          es die Anforderungen f\u00fcr einen \u00f6.b.u.v. Sachverst\u00e4ndigen          nach Bayerlein sein sollen.<\/p>\n<p>Ein derartiges Universalwissen war nur zu Goethes Zeiten vorstellbar,          als in den Wissenschaftszweigen weniger tiefsch\u00fcrfende Erkenntnisse          vorlagen.<\/p>\n<p>Antrag an das Gericht:<\/p>\n<p>Die Antragstellerin beantragt daher, dass der Sachverst\u00e4ndige nachweist,          \u00fcber welche besondere Fachkunde er tats\u00e4chlich verf\u00fcgt,          in welcher Weise seine besondere Sachkunde gepr\u00fcft wurde und f\u00fcr          welche Fachgebiete er von und von wem er tats\u00e4chlich bestellt wurde.<\/p>\n<p>Die Antragsstellerin hat nicht nur erhebliche Zweifel an der besonderen          Sachkunde des Gerichtssachverst\u00e4ndigen die Abwasserreinigung (Technik          und Verfahren der Abwasserbehandlung) betreffend, wie nun im Einzelnen          nachgewiesen wird.<\/p>\n<p>Sie muss auch feststellen, dass der Sachverst\u00e4ndige offensichtlich          \u00fcber nicht hinreichende Kenntnisse verf\u00fcgt, wie ein Beweisbeschluss          methodisch zu l\u00f6sen bzw. wie ein Beweis zu f\u00fchren ist.<\/p>\n<p>usw.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/?did=636#Seitenanfang\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/pic\/bullet\/zurueck.gif\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"13\" height=\"13\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beispiel aus der Praxis Ein Sachverst\u00e4ndiger machte unterschiedliche Angaben \u00fcber sein Bestallungsgebiet. 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