{"id":3870,"date":"2011-02-27T17:44:23","date_gmt":"2011-02-27T16:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.institut-halbach.de\/?p=3870"},"modified":"2015-05-06T10:53:41","modified_gmt":"2015-05-06T08:53:41","slug":"der-csb-dosisfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/2011\/02\/27\/der-csb-dosisfehler\/","title":{"rendered":"Der CSB-Dosisfehler"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen dem \u00dcberschreiten des CSB-\u00dcberwachungswertes und dem spezifischen Abwasseranfall kann es einen Zusammenhang geben.<\/p>\n<blockquote><p>Da der CSB meist einen hohen Anteil von nicht abbaubaren Stoffen enth\u00e4lt, kann beim R\u00fcckgang der Abwassermengen und bei sonst gleichen Bedingungen nat\u00fcrlich die CSB-Konzentration im Kl\u00e4ranlagenablauf steigen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht abbaubare Stoffe werden nun mal &#8211; wie der Name es verr\u00e4t &#8211; nicht abgebaut und schon gar nicht in gew\u00f6hnlichen Kl\u00e4ranlagen. Bleibt die CSB-Fracht gleich und sinkt die Abwassermenge, dann steigt die CSB-Konzentration. Vor 1989 gab es im Osten Deutschlands dieses Dilemma nicht, denn der wissenschaftliche Ansatz beim damaligen Gew\u00e4sserschutz &#8211; der Effekt sei mal dahingestellt &#8211; beruhte auf der Einleitfracht, z. B. kg BSB<sub>5<\/sub> \/d.<\/p>\n<p>Die Dosis eines Stoffes ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr eine Schadwirkung und nicht die Konzentration eines \u00dcberwachungswertes, die sich nat\u00fcrlich leichter verwalten l\u00e4sst, ohne dass man von der Sache auch etwas verstehen muss.<\/p>\n<p>Die \u00dcberlegungen zur Notwendigkeit einer Dosis gehen auf Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim zur\u00fcck, auf einen Arzt mit legend\u00e4ren Heilerfolgen. Die nach ihm benannte Paracelsus-Medaille ist die h\u00f6chste Auszeichnung der deutschen \u00c4rzteschaft f\u00fcr verdiente \u00c4rzte. Bei dem Gew\u00e4sserschutz findet sein Schadstofflehrsatz von 1589 \u201e<strong><span style=\"color: #ff0000;\"><em>All Ding&#8216; sind Gift und nichts ohn&#8216; Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.<\/em><\/span><\/strong>\u201c jedoch keine Beachtung. (Bemerkenswert ist, dass der Frachtansatz f\u00fcr die\u00a0 ostdeutsche Wasserwirtschaft vor der Wende selbstverst\u00e4ndlich war. Auch in der \u00f6sterreichischen Indirekteinleiterverordnung sind ebenso Schmutzfrachten als Schadstoffgrenzen vorgeschrieben, die zudem noch in Abh\u00e4ngigkeit zur Kl\u00e4ranlagengr\u00f6\u00dfe stehen.)<\/p>\n<p>Im Wasserrecht und in der Praxis wurde die Notwendigkeit einer Dosis als grundlegende Voraussetzung f\u00fcr eine Schadwirkung nicht ber\u00fccksichtigt und damit eine unwissenschaftliche Basis geschaffen.<\/p>\n<p>Anstelle der Dosis tritt in der Wasserwirtschaft &#8211; im extremen Gegensatz zur Medizin &#8211; nun eine zuf\u00e4llige, mitunter auch willk\u00fcrliche Vorsorge. (Man darf nur hoffen, das die Mediziner nicht dem &#8222;wasserwirtschaftlichen&#8220; Niveau nach unten folgen und die Arzneien als Wirkstoffkonzentration nach gutem Glauben des Patienten verorden.)<\/p>\n<blockquote><p>Vor dem Hintergrund, dass die Wasserwirtschaft ja effektiv sein soll, so zumindest schreibt es der Gesetzgeber vor, entspricht ein CSB-\u00dcberwachungswert als Konzentration nicht dem Stand der Technik.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob das ein R\u00fcckschritt ist? Der Autor ist sich nicht sicher, ob der Stand der Wissenschaft eine h\u00f6here Priorit\u00e4t hat, als der Stand der Technik, oder ob sich beide St\u00e4nde &#8211; wenn es um den Kommerz geht &#8211; sich sogar hin und wieder ausschlie\u00dfen? Denn das was der <a href=\"http:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/2011\/01\/31\/unangenehme-wahrheiten\/\" target=\"_blank\">letzte Schrei der Technik<\/a> ist, muss deshalb noch lange nicht gut f\u00fcr Deutschlands Gew\u00e4sser sein.\u00a0 Eine interessante Frage lautet:<\/p>\n<blockquote><p>Ist der Stand der Technik auch dann noch Stand der Technik, wenn er wissenschaftlich gewertet oder n\u00fcchtern logisch gesehen zugleich Unfug ist?<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch nun zu einigen Voraussetzungen, die notwendig sind, damit \u00fcberhaupt der versprochene Umweltschaden eintritt. Damit ein Stoff Schaden anrichten kann, m\u00fcssen u. a. folgende Voraussetzungen gleichzeitig erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Stoff muss am Zielort des Schadens sein.<\/li>\n<li>Der Stoff muss hinreichend Zeit f\u00fcr seine Wirkung haben.<\/li>\n<li>Der Stoff muss eine bestimmte Dosis \u00fcberschreiten, die f\u00fcr die Schadwirkung notwendig ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Beweisf\u00fchrung<\/h3>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Pr\u00e4missen<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>F\u00fcr das Verursachen eines Schadens ist eine Dosis notwendig.<\/li>\n<li>Bei der CSB-\u00dcberwachung wird nur eine Konzentration gemessen.<\/li>\n<li>Eine Konzentration ist keine Dosis.<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Konklusion:<\/span><\/p>\n<blockquote><p>Allein aus der CSB-Konzentration ist in der Regel keine Wirkung oder Schadwirkung zu beweisen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Eine Ausnahme: hinreichende Statistik bei induktiver Beweisf\u00fchrung.)<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Siehe auch:<\/span><\/p>\n<p><a href=\"..\/2011\/02\/schwer-abbaubar-auch-ein-glueck-fuer-die-umwelt\/\" rel=\"bookmark\">Schwer abbaubar \u2013 auch ein Gl\u00fcck f\u00fcr die Umwelt!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"..\/2011\/02\/das-dilemma-der-ueberwachung\/\" rel=\"bookmark\">Das Dilemma der \u00dcberwachung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"..\/2011\/02\/kein-csb-in-der-natur\/\" rel=\"bookmark\">Kein CSB in der Natur!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen dem \u00dcberschreiten des CSB-\u00dcberwachungswertes und dem spezifischen Abwasseranfall kann es einen Zusammenhang geben. Da der CSB meist einen hohen Anteil von nicht abbaubaren Stoffen enth\u00e4lt, kann beim R\u00fcckgang der Abwassermengen und bei sonst gleichen Bedingungen nat\u00fcrlich die CSB-Konzentration im Kl\u00e4ranlagenablauf steigen. Nicht abbaubare Stoffe werden nun mal &#8211; wie der Name es verr\u00e4t &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[78],"tags":[79,80,81,82,83,87,88,89,90,91],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3870"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3870"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3870\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}