{"id":2520,"date":"2010-04-16T14:23:50","date_gmt":"2010-04-16T12:23:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.institut-halbach.de\/?p=2520"},"modified":"2010-04-16T14:23:50","modified_gmt":"2010-04-16T12:23:50","slug":"bewertung-der-undichtheit-von-grundstuecksentwaesserungsanlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerichtsgutachten.de\/index.php\/2010\/04\/16\/bewertung-der-undichtheit-von-grundstuecksentwaesserungsanlagen\/","title":{"rendered":"Bewertung der Undichtheit von Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wohl unstrittige Ankn\u00fcpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. :<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>Dichtheitspr\u00fcfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gem\u00e4\u00df [5] durchgef\u00fchrt.<\/em><\/li>\n<li><em>Anlagen zur Ableitung von h\u00e4uslichem Abwasser oder Mischwasser d\u00fcrfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Sch\u00e4den und Fremdwassereintritte festgestellt werden.<\/em><\/li>\n<li><em>Ist eine OI nicht durchf\u00fchrbar oder wird sie als nicht ausreichend angesehen, ist eine DP durchzuf\u00fchren. Hierbei ist nicht festgelegt, wer mit welchen Kriterien diesen normativ gewollten Ermessensspielraum interpretieren darf.<\/em><\/li>\n<li><em>Grundleitungen die nur h\u00e4usliches Abwasser ableiten und au\u00dferhalb von Schutzzone II von Wassergewinnungsgebieten liegen, k\u00f6nnen mit einer Wasserdruckpr\u00fcfung durch Auff\u00fcllung bis 0,50 m \u00fcber Rohrscheitel auf Dichtheit gepr\u00fcft werden.<\/em><\/li>\n<li><em>Ist dies bei alten Leitungssystemen nicht m\u00f6glich, kann die Leitung alternativ bis zur Oberkante des tiefsten EWG oder Unterkante der Reinigungs\u00f6ffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgef\u00fcllt werden.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Pr\u00fcfzeit betr\u00e4gt 15 min bei einem zul\u00e4ssigen Wasserzugabewert von 0,2 l\/m\u00b2 [5].<\/em><\/li>\n<li><em>DP mit Wasserf\u00fcllung f\u00fchren gem\u00e4\u00df [7] bei 90% der Grundst\u00fccke und gem\u00e4\u00df [6] bei 94 % der Einzelpr\u00fcfungen zu dem Ergebnis einer Undichtheit.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>(GEA = Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlage, OI = Optische Inspektion, EWG = Entw\u00e4sserungsgegenstand)<\/p>\n<p><strong>Interessant ist auch die Zusammenfassung des Fachbeitrages von Thoma:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>Bis zum Jahr 2015 sind in Deutschland ca. 1,3 Mio km Abwasserleitungen auf und zu Grundst\u00fccken zu untersuchen. <\/em><\/li>\n<li><em>Die L\u00e4nge, der Zustand und der tats\u00e4chliche Untersuchungsgrad sind nicht in ausreichendem Umfang bekannt. <\/em><\/li>\n<li><em>Offensichtlich wurde bis dato nur ein Anteil von weniger als 5% untersucht.<\/em><\/li>\n<li><em>Es ist in privaten Abwasserleitungen mit 100 bis 600 M\u00e4ngeln\/km zu rechnen. 24% der optisch erkannten Sch\u00e4den sind nach Klassifikation entsprechend den Regeln der Technik kurz- bis mittelfristig zu sanieren.<\/em><\/li>\n<li><em>Risse und Br\u00fcche treten alle 20 m einmal auf. Erste Untersuchungen zeigen \u00fcbereinstimmend, dass ca. 90% der Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlagen unter Pr\u00fcfbedingungen undicht sind. <\/em><\/li>\n<li><em>Erkennbar ist aber auch, dass bei Pr\u00fcfung der Dichtheit nach den Regeln der Technik keine Korrelation zu dem optisch erfassten und klassifizierten Zustand besteht.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<blockquote><p>Messungen der Exfiltration unter Betriebsbedingungen zeigen, dass die tats\u00e4chliche Exfiltration deutlich geringer ist als die Wasserverluste bei den Wasserstandspr\u00fcfungen nach den Regeln der Technik.<\/p><\/blockquote>\n<ul>\n<li><em>F\u00fcr die objektive Bewertung der Auswirkungen undichter, h\u00e4uslicher Abwasserleitungen sind noch Grundsatzarbeiten zu leisten. F\u00fcr eine zielgerichtete, effektive Sanierung der Abwasserleitungen zum nachhaltigen Schutz von Boden- und Grundwasser m\u00fcssen die neuesten Erkenntnisse noch in handhabbare Regelwerke Eingang finden.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Sanierung der Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsleitungen mit dem Ziel der vollst\u00e4ndigen Abdichtung gem\u00e4\u00df den vorhandenen Regeln der Technik w\u00fcrde 100 bis 200 MRD Euro kosten. [14]<\/em><\/li>\n<li><em>M\u00f6glicherweise ist es f\u00fcr eine nachhaltige und vollst\u00e4ndige Instandhaltung nicht entscheidend, ob die Dichtheitskriterien ge\u00e4ndert werden, sondern dass die Priorit\u00e4ten und Zeitr\u00e4ume f\u00fcr die Sanierung mit Blick auf das Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr die Umwelt und die Instandhaltungszyklen der Geb\u00e4udesubstanz abgewogen werden.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Literatur des Beitrages von Thoma:<\/p>\n<p>[1] ATV-Merkblatt M143-2 (1999) Optische Inspektion &#8211; Inspektion, Instandsetzung, Sanierung und Erneuerung von Abwasserkan\u00e4len und -leitungen<\/p>\n<p>[2] ATV-Merkblatt M 149, (1999): Zustandserfassung, -klassifizierung und -bewertung von Entw\u00e4sserungssystemen au\u00dferhalb von Geb\u00e4uden<\/p>\n<p>[3] BayLfW Merkblatt Nr. 4.3\/6; (2002): Pr\u00fcfung alter und neuer Abwasserkan\u00e4le, Teil 3: Dichtheitspr\u00fcfung von Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsleitungen im Freispiegelabfluss, Bayerisches Landesamt f\u00fcr Wasserwirtschaft, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>[4] Berger C., Lohaus J: (2005): Zustand der Kanalisation, Ergebnisse der DWA-Umfrage 2004, Korrespondenz Abwasser 5\/2005, (52), S.528-539<\/p>\n<p>[5] DIN 1986-30 (2003): Entw\u00e4sserungsanlagen f\u00fcr Geb\u00e4ude und Grundst\u00fccke, Teil 30: Instandhaltung<\/p>\n<p>[6] Dornbusch J., (2001): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, Pilotprojekt: Dichtheitspr\u00fcfung und Sanierung von Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsleitungen auf Chemischreinigungsgrundst\u00fccken, 1. Teil, Aachen<\/p>\n<p>[7] Eisener W., (2005): Die dichte Kanalisation &#8211; Auswirkungen auf die Sanierung privater Kan\u00e4le, Tagungsband, 5te G\u00f6ttinger Abwassertage<\/p>\n<p>[8] Engel N., (2003): Strategien und Kosten der Sanierung von \u00f6ffentlichen Kanalnetzen, TAH Seminar Kanalsanierung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Hannover<\/p>\n<p>[9] Fiedler M., (1999): Optimierung und Umsetzung der Sanierungsplanung von Haupt- und Hausanschlu\u00dfkan\u00e4len, TAH Seminar Kanalsanierungsplanung, Tagungsband, W\u00fcrzburg<\/p>\n<p>[10] Dohmann M. (1999): Wassergef\u00e4hrdung durch undichte Kan\u00e4le, Erfassung und Bewertung, Springer Verlag Berlin-Heidelberg<\/p>\n<p>[11] M\u00f6llers K, (IFK Bochum), Umweltbeh\u00f6rde der freien und Hansestadt Hamburg (1993): Abschlu\u00dfbericht zur Untersuchung der Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsleitungen im Wasserschutzgebiet XX in Hamburg, 31 S, unver\u00f6ffentlicht<\/p>\n<p>[12] Ru\u00dfig V., (1999): Ausgew\u00e4hlte Ergebnisse der Studie \u201eEUROPARC &#8211; Der Bestand an Geb\u00e4uden in Europa&#8220;, Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung e.V. M\u00fcnchen, www.ifo.de<\/p>\n<p>[13] Statistisches Jahrbuch 2003 f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland und f\u00fcr das Ausland, Statistisches Bundesamt, Verlag Metzler Poeschel, Stuttgart<\/p>\n<p>[14] Thoma R., (2005): Instandhaltung von Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlagen, Korrespondenz Abwasser 6\/2005 (52), S.725-730<\/p>\n<p>[15] Thoma R.; (2006): Die Vision der dichten Grundst\u00fccksentw\u00e4sserung, Vortrag, Kanalisationsforum Bern<\/p>\n<p>[16] Togler R., (2006): Exfiltrationen bestehender Grundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlagen, Auswirkungen, Einflussgr\u00f6\u00dfen, Mengenermittlungen, neuartige Pr\u00fcfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen, RWTH Aachen<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Quelle:<br \/>\n<\/span>Thoma, R. u.a.<br \/>\nGrundst\u00fccksentw\u00e4sserungsanlagen mit h\u00e4uslichem Abwasser- Zustand, Sch\u00e4den, Exfiltration, Bodenkontamination &#8211; Gef\u00e4hrdungspotential ?<span style=\"text-decoration: underline;\"><br \/>\n<\/span>Tagungsunterlagen der Gemeinschaftstagung 11.\/12. Oktober 2006<br \/>\nUndichte Kan\u00e4le &#8211; (k)ein Risiko?<br \/>\nFrankfurt<br \/>\nHerausgeber: DWA<br \/>\n(ISBN -13: 978-3-939057-60-4)<\/p>\n<ul>\n<li>In dem durchaus spannenden und nachvollziehbaren Beitrag wurde als  Medianwert festgestellt, dass bei der gew\u00e4hlten gro\u00dftechnischen  Versuchsanstellung  nur 0,8 l Abwasser t\u00e4glich versickerten.<\/li>\n<li>Der Medianwert  im Exfiltrat ergab verschwindend geringe 4,1 mg TOC\/l !<\/li>\n<li>Um sich  einen umfassenden \u00dcberblick von allen Vortr\u00e4gen zum Tagungsthema zu  machen, m\u00fcssen nat\u00fcrlich alle Skripte gelesen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Meine prinzipielle Folgerung:<\/strong><\/p>\n<p>Eine Einzelpr\u00fcfung mit Wasserdruck wird ja zumeist nur dann ausgef\u00fchrt, wenn die optische Inspektion keine sichtbare Undichtigkeit vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn schon,  denn schon!<\/p>\n<blockquote><p>Wenn also bei einer Druckpr\u00fcfung mit Wasserf\u00fcllung die Wahrscheinlichkeit bei gut 90 % liegt, dass die Grundleitungen sowieso undicht sind, dann ist die optische Inspektion als technisches Verfahren zum Dichtheitsnachweis wegen Unsicherheit ungeeignet.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Meine pers\u00f6nliche Meinung:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Die Inspektions-, Dichtheitspr\u00fcfungs- und Sanierungskampagne von Grundst\u00fccksleitungen entspricht wegen Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit in der Regel nicht dem Stand der Technik.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht alles was technisch m\u00f6glich ist, verdient es fl\u00e4chendeckend umgesetzt zu werden.<\/p>\n<p>Diese Meinung teilen auch andere Kollegen und wer zudem noch analysiert, welche Bundesl\u00e4nder in welcher administrativen Weise mit der nur scheinbaren Gefahr umgehen, bekommt schnell mit, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.<\/p>\n<p>Eine Panik ist v\u00f6llig unbegr\u00fcndet, denn w\u00e4re die Gefahr real, dann w\u00e4re auch zu kl\u00e4ren, warum wir alle noch so &#8222;putz und munter&#8220; sind oder gibt es jemanden, dem wegen eines Loches im Hausanschlusskanal \u00fcbel geworden ist?<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind die Kan\u00e4le nicht erst seit gestern undicht.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, zu der gleichen Tagung vor 4 Jahren lie\u00df ein &#8222;hochkar\u00e4tiger&#8220; Redner die Katze aus dem Sack:<\/p>\n<p><em>&#8222;Man muss heute ein Lied singen, damit die Leute anfangen zu pfeifen!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr mich sind solche Methoden irritierend.<\/p>\n<p>Entweder es besteht eine reale Gefahr, dann muss sofort und effektiv gehandelt werden und wenn diese Gefahr nur in der Einbildung existiert, dann muss man sich fragen, was mit dieser \u00c4u\u00dferung (wohl hinterlistig?) bezweckt werden soll.<\/p>\n<p>Nichts dagegen, wenn die &#8222;S\u00e4nger&#8220; die von ihnen verursachten Sch\u00e4den und Kosten zur L\u00f6sung eines \u00fcberbewerteten am Ende bezahlen k\u00f6nnen und bezahlen.<\/p>\n<p>Davon ist aber wohl kaum auszugehen (vergleiche Reichholf in: <a href=\"http:\/\/www.schlamm.de\/2009\/06\/12\/die-politik-der-angst\/\">Die Politik der Angst<\/a>).<\/p>\n<p>U. Halbach<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/2010\/04\/kommentar-zur-undichtheit-von-grundstuecksentwaesserungsanlagen\/\">Siehe auch den ausf\u00fchrlichen Kommentar  des Herrn Dipl.-Ing. Stepkes zu diesem Beitrag!<\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl unstrittige Ankn\u00fcpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. : Dichtheitspr\u00fcfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gem\u00e4\u00df [5] durchgef\u00fchrt. Anlagen zur Ableitung von h\u00e4uslichem Abwasser oder Mischwasser d\u00fcrfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Sch\u00e4den und Fremdwassereintritte festgestellt werden. 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